Archiv der Kategorie: Lokale sozialpolitische Entwicklungen und Ereignisse (München)

Anker-Dependance Fürstenfeldbruck: Bündnis kritisiert Unterbringungssituation und fehlende Jugendhilfe

+++Pressemitteilung des Arbeitskreises Kritische Soziale Arbeit München, Bayerischer Flüchtlingsrat, Münchner Flüchtlingsrat+++

Anker-Dependance Fürstenfeldbruck: Bündnis kritisiert Unterbringungssituation und fehlende Jugendhilfe

Termin: 12.02.2019, VOR der Anker-Dependance, Fürstenfeldbruck, 9:30 Uhr

Anlass: Am 12.02.2019 lädt die Regierung von Oberbayern zu einem Pressegespräch in die Anker-Dependance Fürstenfeldbruck ein. Wir, ein Bündnis aus dem Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit (AKS) München, dem Bayerischen Flüchtlingsrat und dem Münchner Flüchtlingsrat möchten diese Gelegenheit nutzen, die Presse auf die prekäre Lebenssituation der Bewohner*innen, insbesondere die der Kinder, Säuglinge und Frauen im Ankerzentrum hinzuweisen. Der Infobus des Münchner Flüchtlingsrats berät jeden Dienstag die Bewohner*innen vor dem Ankerzentrum Fürstenfeldbruck. Er wird hier auch am Pressetermin, 12.2.19 ab 9.30 Uhr anwesend sein und steht der Presse für Interviews zur Verfügung.

Frauen und Kinder
Alleinstehenden Frauen wird nicht genügend Schutz und Privatsphäre gewährt. Die Zimmerbelegung ist mit bis zu fünf Frauen plus Kindern eine belastende Situation. Duschen und Zimmer sind nicht verschließbar. Schutzräume, die wirklichen Schutz bieten bestehen nicht, es patrouilliert lediglich (meist männliches) Sicherheitspersonal nachts im offenen Frauentrakt. Viele Frauen sind als Opfer von Menschenhandel nach Deutschland gekommen und stark traumatisiert. Für sie sind die vorhandenen Schutzkonzepte schlichtweg nicht ausreichend. Die Ernährungssituation von Kleinkindern im Lager ist dramatisch. Babynahrung kann bisher nur im Security-Raum mit einem Wasserkocher (für 1100 Bewohner*innen) erwärmt werden. Bewohner*innen berichten, dass es oft von der Gunst des Wachpersonals abhänge, ob der Kocher überhaupt benutzt werden darf. Kleinkinder leiden teilweise unter Mangelernährung, da sie die Catering-Kost nicht vertragen. Zwischenmahlzeiten sind nicht vorgesehen, was sich insbesondere bei erkrankten Kindern negativ auswirkt. Die Zubereitung von kindgerechten Mahlzeiten und somit die selbstverantwortliche Versorgung der Kinder bleibt den Müttern verwehrt. An dieser Situation wird auch die geplante Einführung von zwei Teeküchen nichts ändern.

Fehlende Jugendhilfe
Ein weiterer eklatanter Mangel ist die fehlende Jugendhilfe für begleitete Kinder und Jugendliche im Ankerzentrum. In Deutschland erhalten alle Kinder und Jugendlichen bei Bedarf Unterstützungsleistungen nach dem Sozialgesetzbuch VIII und dem Haager Kinderschutzübereinkommen (KSÜ). Einzige Anspruchsvoraussetzung ist der „gewöhnliche Aufenthalt“, der weder eine Mindestaufenthaltsdauer noch die Rechtmäßigkeit des Aufenthaltstitels voraussetzt. Der räumliche Lebens- oder Daseinsmittelpunkt in Deutschland wird von Geflüchteten regelmäßig bereits mit Einreise begründet. Das Jugendamt steht somit in der Pflicht, Bedarfe frühzeitig zu erkennen und zu unterstützen. Das Jugendamt Fürstenfeldbruck erfüllt unserer Kenntnis nach diese Pflicht nicht. Es bietet in der Ankerdependance keinerlei proaktive Informations- und Beratungsangebote an, Jugendhilfeleistungen nach dem SGB VIII werden nicht gewährt. Der AKS München hat einen sozialpädagogischen und juristischen Handlungsleitfaden erstellt und darüber mit dem Jugendamt Fürstenfeldbruck mehrfach Kontakt aufgenommen. Die Anschreiben an die Leitung des Jugendamts blieben bisher jedoch unbeantwortet.

Forderung
„Die Rechte der Kinder und Jugendlichen in diesem Lager müssen geschützt werden. Eine Unterbringung in dieser Form ist unmenschlich und gefährdet die Rechte und den Schutz der Bewohner*innen. Für die Kinder stellt diese Form der Unterbringung eine strukturelle Kindeswohlgefährdung dar,“ so Philipp Heinze, Sprecher des Bündnisses. „Öffentlich ist davon aber kaum die Rede, stattdessen werden die Menschen und gerade auch die Kinder in den Lagern vergessen und im Diskurs ausgeblendet. Die Schließung der Ankerzentren und die Unterbringung in kleineren Wohneinheiten ist der einzige Weg, die Gesundheit und Unversehrtheit der geflüchteten Menschen zu sichern.“

Pressekontakt:
Philipp Heinze / Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit (AKS) München
0151 53128802 kritischesozialearbeit@gmx.de

Münchner Flüchtlingsrat
0176 67606378 info@muenchner-fluechtlingsrat.de

Weitere Informationen:

Drogentote in Bayern – Offener Bündnisbrief an Ministerin Huml

Liebe KollegInnen,
am 21.07.2018 beteiligte sich der AKS München u.a mit einem Redebeitrag am Drogentotengedenktag 2018 in München.
Die ausführliche Stellungnahme vom Bündnis von Condrobs, Extra, Caritas, Münchner-Aids Hilfe, Prop, AKS und Getaway e.V. welche sich an die bayr. Gesundheitsministerin Huml richtet lest ihr hier: Stellungnahme Drogentotengedenktag 2018

Münchner Fachkräftemangel Soziale Arbeit – 2007 bis heute

Im folgenden soll ein kurzer  Abriss aufzeigen wie es im Jahr 2007 in der BRD allgemein und damit anschließend mit der Sozialen Arbeit im speziellen bestellt war und ist. Dies soll einen Beitrag dazu leisten den  Fachkräftemangel in München, die Etablierung vom Dualen Studiengang bei der LHM und die Expansion von Privathochschulen mit B.A. Soziale Arbeit besser einordnen zu können.

von P.H. (AKS München) –  Januar 2018

Der Fachkräftemangel und die geplante Einführung eines dualen Studiums Soziale Arbeit bei der Landeshauptstadt München – ein kurzer Abriss der Historie von 2007 bis heute:

Immer mehr Menschen ziehen in die „Boom“-Stadt München und die umliegenden Landkreise.

Andere Kommunen in der BRD und damit die dort lebende Bevölkerung leiden ab 2007 vermehrt unter der Wirtschaftskrise (Arbeitslosigkeit; Abwanderung z.B. nach München). Ganze Staaten werden unter das Privatisierungs- und Spardiktat der Troika gestellt (z.B. Griechenland). Etliche Unternehmen in der BRD melden Konkurs an. Findige finanzstarke Unternehmen fliehen mit ihrem Kapital in europäische oder außereuropäische Billiglohnländer um ihre Gewinnmaximierungsziele und Bonis nicht zu gefährden. Gleichzeitig findet in der BRD eine Debatte um bessere Bildung, Kinderbetreuung und die Aufwertung der Kinder- und Jugendhilfe statt, dafür bezahlen möchte der Bund aber nicht viel mehr als bislang. (Warn-)Streiks zur Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes (SuE) häufen sich. Die besondere Entgelttabelle „Sozial- und Erziehungsdienst“ im TVöD wird 2009 eingeführt. Erstmal nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Frühsommer 2015: Bundesweit streiken über Wochen hunderttausend Kolleginnen und Kollegen für die gesellschaftliche Aufwertung und tarifliche Höhergruppierung des Sozial- und Erziehungsdienstes (TVöD-SuE). Außer der politischen Rückendeckung durch den Bundesvorstand der Partei die Linke kam es in der BRD zu keinen größeren offensiven Solidaritätsaktionen durch eine der großen Parteien. Bereits während dem Streik rührten sich zeitgleich erste Kommunen und Verbände um auf den Fachkräftemangel in der Region München aufmerksam zu machen (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/landkreismuenchen/sozialpaedagogen-im-landkreis-mangel-verwaltung-1.2607411). Der Rückhalt in der Gesellschaft durch die betroffenen Eltern deren Kinder vier Wochen lang nicht in ihre Kitas konnten und auch die  Presse war insgesamt positiv. Parallel dazu machte VKA Verhandlungsführer Dr. Thomas Böhle und Städtebund-Chef Gerd Landsberg klar, dass ihrer Meinung nach aus volkswirtschaftlicher Sicht die Forderungen der Streikenden viel zu hoch seien.

Der Tarifkampf endete schließlich im Herbst 2015 ernüchternd und bliebt im Ergebnis weit hinter den Erwartungen zurück. Aufwertung und Anerkennung der Sozialen Arbeit haben ihre Grenzen aufgezeigt bekommen…

Aber dann:
Im Herbst 2015 forderte der Städte- und Gemeindebund aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen: „die Einstellung von bis zu 50.000 neuen Sozialarbeitern. Verbands-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte der FAZ: „Sozialarbeiter sind ein wichtiger Baustein, damit die Integration gelingt.“ (FAZ vom 06.10.2015)

Im Zuge des Fachkräftemangels gab es im März 2016 auf Einladung des AKS Münchens ein Fachgespräch mit Sozialreferentin Brigitte Meier, VerbandsvertreterInnen von JHUMF, ver.di, GEW und unter der Schirmherrschaft einer Professorin der KSFH. Hintergrund damals war die kurzfristige Einstellung von Personal ohne pädagogische Qualifikation für originäre sozialpädagogische Arbeit mit und für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Münchner Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Der AKS übte Kritik daran und forderte die Rückkehr zum Fachkräfteprinzip und die Wiedereinführung fachlicher Standards im UMF Bereich (http://www.aks-muenchen.de/wp-content/uploads/Positionspapier-Berufsfremde-in-der-Sozialen-Arbeit-AKS-2016.pdf).

Im Dezember 2016 wurde schließlich auf Grundlage des Treffens vom März eine stadtweite, gut besuchte Veranstaltung der ARGE Freie zum Thema „Fachkräftemangel in München“ durchgeführt. Einhellige Meinung im Plenum: Das Land Bayern finanziert am Hochschulstandort München zu wenig Studienplätze im Fach Soziale Arbeit.

Auf einen Studienplatz Soziale Arbeit bewerben sich an der staatl. HS und der KSFH München unzählige InteressentInnen. Gleichzeitig eröffnen in München immer mehr private Hochschulen mit B.A. Soziale Arbeit. Dem Bolonga-Prozess und der CSU sei Dank und das CHE freut sich über die angestrebte Privatisierung. Oh du freie Marktwirtschaft wir hören dich frohlocken!

Es ist damit primär ein künstlich erzeugter Fachkräftemangel über diesen zu diskutieren ist.
Festzustellen ist, dass sich bislang weder die Freien Träger, die Landeshauptstadt, noch die übrigen Akteure dagegen wehren. Von den beiden großen Hochschulen hört man dazu ebenfalls nichts.

Die Landeshauptstadt München hat Mitte 2017 einen dienstherreneigenen Studiengang Soziale Arbeit beschlossen. Favorit der Landeshauptstadt ist explizit eine private Hochschule. Die Vergabeausschreibung lief bis zum 13.12.2017 (siehe Vergabestelle LHM/Link unten).

Der AKS München übt hierzu scharfe Kritik. Die AKS Stellungnahme finden Sie hier: [Link].

Hintergrundinfos:

Vergabeunterlagen der LH München

https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Direktorium/Vergabestelle-1.html

Personalentwicklung Stadt München (Seite 41 ff zu SozialpädagogInnen)

https://www.ris-muenchen.de/RII/RII/DOK/SITZUNGSVORLAGE/4496338.pdf

Ausführlicher Stadtratsbeschluss zum dualen Studium Soziale Arbeit
(RIS Vorlagen-Nr.: 14-20 / V 08093)

http://www.ris-muenchen.de/RII/index.jsp?page=RII%2Fris_vorlagen_dokumente.jsp%3Frisid%3D4355360

Forderungen und Verlauf Tarifkampf 2015
https://www.boeckler.de/wsi-tarifarchiv_51788.htm#cont_54137

 

Duales Studium Soziale Arbeit bei der LHM – Stellungnahme

Angriff auf ein Grundrecht:
Verwaltungsinterner Studiengang Soziale Arbeit bedroht die freie Lehre!

Stellungnahme des AKS München zur Ausschreibung eines „Dienstherrenstudienganges“ der Landeshauptstadt München vom Dezember 2017

Ihr findet unsere Stellungnahme als pdf hier –> AKS Stellungnahme Duales Studium LHM (12/2017)

Ein ähnliches Vorhaben gibt es in Hamburg.
Ein Blick auf die Kritik der Hamburger Kolleg*innen lohnt sich!

Zeitungsartikel Hamburg:
vgl. http://www.taz.de/!5448074/

Diverse Stellungnahmen GEGEN das Vorhaben:
https://www.gew-hamburg.de/themen/bildungspolitik/zum-geplanten-dualen-studiengang-soziale-arbeit

Dienstherreneigener Studiengang „Soziale Arbeit im öffentlichen Dienst“ ?!


5 weitere Stellungnahmen finden sich hier https://www.fsr-basababe.de/aktuelles/dualer-studiengang-soziale-arbeit/weitere-stellungnahmen/

Die Vergabeunterlagen der LH München für die europäische Ausschreibung finden sich hier: https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Direktorium/Vergabestelle-1.html
Der Stadtratsbeschluss hier: http://www.ris-muenchen.de/RII/index.jsp?page=RII%2Fris_vorlagen_dokumente.jsp%3Frisid%3D4355360

Wir sind Sozialarbeiter*innen und keine Abschiebehelfer*innen! Positionspapier und Unterschriftensammlung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Der Druck der Bayerischen Staatsregierung auf in der Flüchtlingsarbeit tätige Sozialarbeiter*innen hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Mit dem Schreiben des Bayerischen Sozialministeriums vom 06.03.2017 droht sie allen in der Asylsozialberatung tätigen Organisationen mit dem Entzug der finanziellen Förderung, sollten sie die Geflüchteten z.B. über legale Rechtsmittel beraten.

Wir fordern die sofortige Rücknahme dieses ministeriellen Drohbriefes! Kein Fördermittelentzug für Träger der Asylsozialberatung, die sich nicht erpressen lassen. Die Drohung untergräbt jegliche professionelle Standards!

Der Arbeitskreis kritische Soziale Arbeit München hat hierzu ein Positions- und Forderungspapier formuliert.

Bitte verbreitet den Aufruf und unterstützt ihn mit Eurer Unterschrift!

Zum Papier: AKSAbschiebehelferPositionspapier2