Integrationskurse: Pressemitteilung von 28 Organisationen

Arbeitsmarktintegration in Gefahr | Hilferufe von Betroffenen aus Bayern, die im Durchschnitt eineinhalb Jahre ohne Deutschkurs bleiben

Ein Großteil der Geflüchteten hat aktuell keinen Zugang mehr zu Sprachkursen, die der Integration dienen. Dies verhindert Teilhabe und schafft erhebliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgekosten. Deshalb fordern 28 bayerische Organisationen den Bayerischen Ministerpräsidenten auf, seine Vorreiterrolle einzunehmen und Integrationskurse vorübergehend zu zahlen, um Langzeitschäden zu vermeiden.

Nachdem das BAMF am 09.02.2026 mitgeteilt hatte, dass es den Zugang zu Integrationskursen (I-Kurse) für eine große Gruppe einschränkt, teilte es am 18.02.2026 mit, stattdessen das Budget für sogenannte Erstorientierungskurse bis 2029 aufzustocken. Auch wenn diese Aufstockung grundsätzlich zu begrüßen ist, sind Erstorientierungskurse kein Ersatz für Integrationskurse.
Erstorientierungskurse haben lediglich 300 Unterrichtseinheiten statt den 600/900 Unterrichtseinheiten eines I-Kurses. Sie qualifizieren die Teilnehmenden nicht für den Arbeitsmarkt, da sie auch kein bestimmtes Sprachniveau als Kursziel haben und die Teilnehmenden erhalten keine Sprachzertifikate. Die Erstorientierungskurse werden aus EU-Mitteln (Amif) finanziert, und nicht vom Bund. Sie sind als Übergang gedacht für Personen, die noch keinen Integrationskurs besuchen können.

In der Folge müssen Personen, die einen Integrationskurs bis zum Niveau B1 besuchen möchten, diesen vollständig selbst bezahlen – für Menschen, die sowieso gerade nur das Existenzminimum decken können, ein Ding der Unmöglichkeit. Aus Sicht der Organisationen dieser gemeinsamen Pressemitteilung eine fatale politische Entscheidung.

Die ersten verzweifelten Hilferufe der Betroffenen kommen bei Beratungsstellen und Sprachkursträgern an.

Ein Geflüchteter, der im November 2025 eingereist ist und im Januar einen Integrationskurs bei Bamf beantragt hat, wendet sich per Mail an den Flüchtlingsrat mit folgender Nachricht:

Ohne Sprachkurse fühle ich mich hilflos, blockiert und zutiefst verzweifelt. Von den Schulen, bei denen ich mich angemeldet habe, erhielt ich die Rückmeldung, dass das BAMF beschlossen hat, Integrationskurse aktuell nicht mehr zu finanzieren. Diese Nachricht war für mich sehr schockierend, da ich große Angst habe, ohne Sprachkurs keine Perspektive auf Integration und Arbeit zu haben. Jeder Tag ohne Fortschritt in der Sprache ist ein verlorener Tag für meine Familie, eine verlorene Chance auf ein Leben, das ein Minimum an Würde und Sicherheit hat.

Ohne Bewilligungsscheine und die damit verbundene Finanzierung durch das BAMF drohen vielen Lehrkräften die Entlassung und den Trägern eine existenzielle wirtschaftliche Bedrohung. Dadurch werden Strukturen abgebaut, die über viele Jahre mühsam aufgebaut wurden und sich später kaum wiederherstellen lassen. An der Münchner Volkshochschule könnten infolgedessen rund 1.200 Personen ihren Kursplatz verlieren und etwa 250 Kurse wegfallen, sodass auch verpflichtende Angebote nicht mehr stattfinden könnten.

Die meisten der Betroffenen bleiben aus unterschiedlichen Gründen langfristig in Deutschland. Wer jedoch den Zugang zu Integrationskursen einschränkt, erschwert nicht nur individuelle Teilhabe, sondern schafft auch erhebliche langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgekosten“, so Robin Esterer vom Münchner Flüchtlingsrat.

Angesichts des bestehenden Fachkräftemangels und der aufenthaltsrechtlichen Situation ist es vollkommen widersprüchlich, Qualifizierungs- und Sprachangebote einzuschränken. Zugewanderte Menschen auch mit vorhandenen beruflichen Qualifikationen werden so strukturell in niedrig qualifizierte und schlecht bezahlte Tätigkeiten gedrängt. Eine frühzeitige Sprachförderung ist Voraussetzung für nachhaltige Arbeitsmarktintegration und Chancengleichheit“, so Jana Weidhaase vom Bayerischen Flüchtlingsrat.

Es gibt bereits Protest, Petitionen und Kritik. Doch was geschieht, wenn das Bundesministerium des Innern und für Heimat und Bundesinnenminister Dobrindt an den Einschränkungen festhalten? In diesem Fall werden entweder die Kommunen oder die Länder die entstehenden Kosten tragen müssen.

Wir fordern den Freistaat, die Landkreise und Kommunen auf, zumindest vorübergehend die Kosten zu übernehmen und sich dann mit dem Bund über Erstattungen zu einigen. Wir fordern den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder, Innenminister Joachim Herrmann und den bayerischen Integrationsbeauftragten Karl Straub auf, hier eine Vorreiterrolle zu übernehmen, um Langzeitschäden zu vermeiden. Alternativ bleibt Menschen, die hier leben, der Zugang zu Deutschkursen verwehrt – mit erheblichen langfristigen Folgen für uns ALLE. 

Liste der unterzeichnenden Organisationen:

1.    AGABY-Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrations(bei)räte Bayerns
2.    Arbeitskreis kritische Soziale Arbeit München
3.    Augsburger Flüchtlingsrat e.V.
4.    Bayerischer Flüchtlingsrat e.V.
5.    Bellevue di Monaco e.G.
6.    Café 104 e.V.
7.    Campus Asyl e.V. 
8.    Campus di Monaco
9.    DGB Bayern 
10.    Eltern gegen Rechts München
11.    Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Landesverband Bayern
12.    Grand Hotel Cosmopolis Augsburg
13.    Initiative #unkürzbar München
14.    Integrationsrat der Stadt Nürnberg
15.    JUNO – eine Stimme für geflüchtete Frauen
16.    Klartext e.V.
17.    Kritisch Solidarische Hochschulstudierende (KriSoH) 
18.    Lichterkette e.V.
19.    Migrationsbeirat München
20.    Migration macht Gesellschaft e.V. 
21.    MORGEN e.V.
22.    Münchner Flüchtlingsrat
23.    Offen! Bündnis
24.    Politische Arbeitsgemeinschaft Helferkreise Region Nürnberg (PAHN) 
25.    SOLWODI München 
26.    Verband der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer*innen Bayern unserVETO 
27.    Würzburg Solidarisch e.V. 
28.    Würzburger Flüchtlingsrat

11. März 2026: Siebtes offenes Treffen zu den Kürzungen im sozialen Bereich

Liebe Kolleg*innen,

beim letzten Treffen haben wir konkret nächste Schritte überlegt und mit der Planung angefangen:

Wir wollen vor allem mit unseren Kolleg*innen in unseren Betrieben über das Kürzungsthema ins Gespräch kommen.

Dafür werden wir in zwei Arbeitsgruppen weiterarbeitet an:

– Infokampagne und Öffentlichkeitsarbeit

– Aktivierung und Umfrage mit Kolleg*innen

Es gibt auch wieder Raum für Austausch über aktuelle Entwicklungen in der Stadtpolitik und an unseren Arbeitsplätzen sowie eure Ideen für weitere Aktionen.

Kommt vorbei und nehmt eure Kolleg*innen mit!

am Mittwoch, 11. März 2026 um 18.30 Uhr

im großen Saal der IG, Karlsstraße 50, 80333 München

Ihr müsst nicht beim vorherigen Treffen dabei gewesen sein.

Es gibt Snacks und Getränke.

Gerne mit Anmeldung an kritischesozialearbeit@gmx.de

Ihr könnt aber auch spontan vorbeikommen.

5. Februar: Sechstes Treffen zu den Kürzungen im sozialen Bereich

Liebe Kolleg*innen,

bei der Kundgebung „Gemeinsam gegen die Kürzungen im sozialen Bereich!“ haben wir Kritik an der Stadtregierung und Forderungen für ein soziales München mit rund 1000 Menschen lautstark auf die Straße getragen.

Auch in diesem Jahr finden weitere Treffen zu den Kürzungen statt.

Bei dem letzten Treffen wurde beschlossen, dass wir an den Fact Sheets bzgl. Kürzungen arbeiten möchten und weiter besprechen wollen, wie wir mehr Kolleg*innen aktivieren können.

Es gibt auch wieder Raum für Austausch über aktuelle Entwicklungen in der Stadtpolitik und an unseren Arbeitsplätzen.

Kommt vorbei und nehmt eure Kolleg*innen mit!

am Donnerstag, 5. Februar 2026 um 18.30 Uhr

im großen Saal der IG, Karlstraße 50, 80333 München

Ihr müsst nicht beim vorherigen Treffen dabei gewesen sein.

Es gibt Snacks und Getränke.

Gerne mit Anmeldung an kritischesozialearbeit@gmx.de

Ihr könnt aber auch spontan vorbeikommen.

12. Januar: Treffen zu den Kürzungen im sozialen Bereich – Weiter geht´s!

Liebe Kolleg*innen,
bei der Kundgebung „Gemeinsam gegen die Kürzungen im sozialen Bereich!“ haben wir Kritik an der Stadtregierung und Forderungen für ein soziales München mit 1000 Menschen lautstark auf die Straße getragen.
Daran anschließend treffen wir uns mit neuer Kraft im neuen Jahr wieder. Wir besprechen den Haushalt und unsere Ideen für politische Aktionen angesichts der Kommunalwahlen sowie weiterer zu erwartender Kürzungspolitik. Wir fragen: wie können wir weiter Druck machen? Wie können wir uns zusammentun?
Es gibt auch wieder Raum für Austausch über aktuelle Entwicklungen in der Stadtpolitik und an unseren Arbeitsplätzen.
Kommt vorbei und nehmt eure Kolleg*innen mit!

Am Montag, 12. Januar 2026 um 19 Uhr

IG Initiativgruppe
Karlstr. 50
80333 München

#unkürzbar – Kundgebung am 20. November 2025 um 17:00 Uhr am Orleansplatz (Nähe Ostbahnhof)

Gemeinsam gegen die Kürzungen im sozialen Bereich

Nachtrag 17.11.2025

-Als Unterstützer*innen des Aufrufs sind u.a. noch dazugekommen:

Bündnis Ausspekuliert, Tusch e.V., Amanda, KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung) München

-Die Redebeiträge (u.a. Pro Familia, Migrationsvertretung, aks, ver.di, GEW, DBSH, Krisoh der KSH, Studierendenvertretung der Hochschule München) werden auch in Gebärdensprache kommuniziert.

-Dank geht an die GEW -Stadtverband München, ver.di München, und DBSH Bayern für eine finanzielle Unterstützung für den Lautsprecherwagen

-Kartentausch wird möglich sein, gerne Bargeld mitbringen, um über Einkaufsgutscheine Geflüchteten Zugang zu Bargeld zu ermöglichen

Die Stadt München kürzt im sozialen Bereich – und das mit drastischen Folgen. Die Adressat*innen, Kolleg*innen und Einrichtungen spüren diese schon seit einiger Zeit.

Adressat*innen der Sozialen Arbeit bricht bereits jetzt massiv Unterstützung weg – sei es wegen gestrichener Leistungen oder endloser Wartezeiten. Kolleg*innen sind in großer Sorge und sehr verunsichert darüber, wie die Zukunft aussieht und ob ihr Job überhaupt weiterbestehen wird.

Den Trägervereinen und sozialen Organisationen steht immer weniger Geld zur Verfügung. Die Kosten für die Tariferhöhungen werden von der Stadt München schon nicht mehr übernommen. Es werden Stellen abgebaut oder nicht mehr nachbesetzt. Kolleg*innen müssen ihre Stunden reduzieren. Gesundheitsgefährdung durch Überlastung ist eine Folge, steigender Rechtfertigungsdruck in alle Richtungen eine andere.

„Unsere eigentliche Arbeit können wir oft gar nicht mehr machen.“

Im Dezember soll der Haushaltsplan der Stadt verabschiedet werden. Klar ist: etwa 10% sollen eingespart werden. Wie? Das bleibt möglicherweise bis nach der Wahl des neuen Stadtrates im März 2026 intransparent und unklar.

„Wer jetzt in der Sozialen Arbeit kürzt, wird später dafür einen hohen Preis zahlen.“

Die Auswirkungen für die Gesellschaft, für Bürger*innen und für Adressat*innen der Sozialen Arbeit sind enorm. Die Soziale Arbeit soll mehr Chancen, mehr Teilhabe und mehr Gerechtigkeit möglich machen – für Kinder, Jugendliche, Familien, Alleinerziehenden, Senior*innen, Menschen mit Behinderungen, Menschen mit psychischen Erkrankungen, geflüchteten Menschen, obdachlosen Menschen…

Es geht um Unterstützung für Menschen bei Themen die alle betreffen können: Wohnen, Armut, Bildung, Vereinsamung, Bürokratie und vielen Ausgrenzungen mehr. Es wird am Wesentlichen gespart – dem gesellschaftlichen Miteinander und Zusammenleben. Dies werden alle Münchner Bürger*innen spüren. Die soziale Not wird steigen.

Die Folgen der Kürzungen zeigen sich jetzt schon drastisch: das Jugendamt und die Bezirkssozialarbeit sind seit Jahren unterbesetzt, so kann nicht mal mehr der Kinderschutz ausreichend gewährleistet werden.

Diese Kürzungspolitik wird auf dem Rücken der Menschen ausgetragen, die nicht gehört und gesehen werden – deren Interessen nicht vertreten werden.

Umso verwunderlicher sind neue Finanzierungen für Prestigeprojekte.

Deshalb sagen wir Nein zu Kürzungen im sozialen Bereich!

Wir wollen kein “gegeneinander Ausspielen” sondern wirklichen Zusammenhalt!

Lasst uns dagegen halten: wir sind solidarisch mit unseren Kolleg*innen der unterschiedlichsten Freien und städtischen Träger in allen sozialarbeiterischen Arbeitsbereichen, mit den ebenfalls von extremen Einsparungen betroffenen Bereichen der Kultur, des öffentlichen Bauens, der Gesundheit und des öffentlichen Personennahverkehrs.

Wir fordern die Stadträte* und Stadträtinnen* auf: Stimmt gegen den Kürzungshaushalt!

Kolleg*innen wehrt euch!

Münchner*innen unterstützt uns!

Kommt mit uns am 20. November um 17:00 Uhr zum Orleansplatz!

Ab sofort sind wir auch bei Instagramm: www.instagramm.com/aks_muenchenhttp://www.instagram.com/aks_muenchen

Hier geht’s zum Aufruf.

Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit – München